1. in Ägypten,
2. der schwierige Weg bis zum Ausbruch und Aufbruch,
3. Gefahr und Rettung am Schilfmeer,
4. der lange Weg durch die Wüste und
5. am Gottesberg Sinai
beschreiben auch den Weg von der Arbeit in die Arbeitslosigkeit.
1. in Ägypten
Wenn wir berufstätig sind, sind wir in Ägypten.
Dabei erfahren wir die Sklaverei in der Berufswelt.
Unter Umständen lernen wir in dieser Zeit, Menschenabhängigkeit oder
Menschenvergötterung abzuschütteln und uns von Menschenfurcht
vor dem Boss oder dem Mitarbeiter zu befreien.
2. der schwierige Weg bis zum Ausbruch und Aufbruch
Dem schwierigen Weg bis zum Ausbruch und Aufbruch entspricht in der Arbeitswelt
die Kündigung des Arbeitsverhältnisses.
So wie Plagen den Ausbruch aus Ägypten erzwingen, so kann Psychoterror und
Mobbing dem Aufbruch aus der Arbeitswelt entsprechen.
Psychoterror bedient sich folgender Methoden: Schmälern, Isolieren, Verleumden,
Aushorchen, vergiftetes Arbeitsklima und anonyme Telefonate.
Psychoterror hat schwerwiegende Folgen für den betroffenen Mitarbeiter.
Er verkümmert in seinem Beruf.
Ein beruflich untauglich gemachter Mitarbeiter bleibt zurück.
Darüber hinaus macht Psychoterror physisch krank.
Kopfschmerzen, Magenkrämpfe, Schlafstörungen können die Folgen sein.
Das wiederum hat zur Folge, daß die betroffene Person zu Pillen oder Alkohol greift,
um Schmerzen zu lindern. Das ist ein Teufelskreis.
Die Arbeitskraft des betroffenen Mitarbeiters ist beeinträchtigt.
Die Kündigung oder die Entlassung ist eine Erlösung von diesem Terror.
Es geht ein beruflich untauglich gemachter und ein gesundheitlich beschädigter Mensch.
3. Gefahr und Rettung am Schilfmeer
Auf dem neuen unbekannten Weg in die Freiheit, bekommen wir Angst.
Den vertrauten Weg zum Arbeitsplatz haben wir verlassen.
Jetzt wissen wir nicht mehr, zu welcher neuen Tätigkeit der Weg führen wird.
Wo kommt der neue Job her?
Vorne ist kein neuer Arbeitsplatz in Sicht und zurück geht es auch nicht mehr.
Bedrängt sind wir von Menschen in unserer Umwelt.
Hinter der Hand wird getuschelt. Die Arbeitslosen laufen verstohlen in der Straße,
möglichst aber nicht in der Rush Hour, da man sonst von zu vielen gesehen wird.
Fremde Leute, die man weder von Gesicht noch mit Namen kennt, stellen die direkte Fragen.
Neugierig sind alle. Nur der Pastor oder Pfarrer der Gemeinde weiß von nichts,
er guckt ja auch nicht aus dem Fenster.
Untergang in die Langzeitarbeitslosigkeit oder Rettung in ein neues Betätigungsfeld,
vor diesen Alternativen bleibt man nicht ohne innere Verwandlung stehen.
Berufsfragen sind Lebensfragen. Auf das Sicherheitsdenken und das Versicherungsdenken
kann man nicht mehr zurückgreifen. Von den vertrauten alten Mustern muß man sich trennen.
Darauf kann man nicht mehr zurückgreifen. Die gewohnten Pfade verläßt man.
Bekanntschaften werden unter Umständen nicht mehr gepflegt. Gewohnheiten ändern sich.
4. der lange Weg durch die Wüste
Die neugewonnene Freiheit wird als Befreiung empfunden.
Doch diese Freude ist kurzlebig. Leere, Orientierungslosigkeit und Wüste erfordern ein langsames,
mühseliges Sich-Vortasten in eine noch unbekannte Welt des Arbeitsmarktes.
Wer diese Arbeitsuche durchwandert, durchleidet Einsamkeit, Leere, nichts.
Wie Staub zerfallen Universitätszeugnisse, Qualifikationen, Berufserfahrungen.
Was bleibt von einem Menschen übrig?
Die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Die Wüste läßt sichtbar werden,
auf welchen Gott der Mensch baut. Jetzt tritt zu Tage das Sicherheits- denken, Egoismus,
Angst und Habenwollen.
Doch Leben tut der Mensch von geschenktem Brot und geschenktem Wasser.
5. am Gottesberg Sinai
Mit der Arbeitslosigkeit liegt der Traum von Macht und Größe und eigener Lebenstüchtigkeit
am Boden. Am Gottesberg wird alles in die richtige Perspektive gebracht.
Wie Jesus sagt:
"Seht euch die Vögel an! Sie sähen nicht, sie ernten nicht,
sie sammeln keine Vorräte - aber euer Vater im Himmel sorgt für sie.
Und ihr seid ihm doch viel mehr wert als alle Vögel!
Wer von euch kann durch Sorgen sein Leben auch nur um einen Tag
verlängern?" (Matthäus 6, 26-27)
Gott meint es gut mit seinen Geschöpfen.
Er hat uns geschaffen, er liebt uns und erhält uns.
Wenn wir uns an Gott binden, übernehmen wird die Lebensordnung dieser Gottesherrschaft,
indem wir die Gebote Gottes befolgen. Berger (1991: 57) schreibt:
"Nur dieser Herr läßt mit seiner Herrschaft über uns auch
uns selbst sein (Theonomie)."
Den Kreislauf der Unversöhnlichkeit muß der Mensch verlassen.
Unrecht oder Böses kann nur durch das Gute und die Liebe überwunden werden.
3. Station: Gefahr und Rettung
Bewußtseinsumwandlung ist erforderlich.
Neue Verhaltensmuster sind zu erlernen:
nicht lieblos auf Unfreundlichkeit reagieren,
das Weitersagen einer Kränkung unterlassen,
die betroffenen Personen haben sich darum zu kümmern,
sich miteinander zu versöhnen.
Gefühle, die in Form von nagender Bitterkeit oder Kränkung
verinnerlicht werden, schaden nur uns selbst.
4. Station: Wüstenerfahrung
Zu erlernen ist:
a) liebevolles Denken und
b) liebevolles Handeln.
"Liebt eure Feinde; Tut denen Gutes, die euch hassen; Segnet die, die euch verfluchen und Betet für alle, die euch schlecht behandeln"
(Lukas 6, 27-28).
5. Station: Gottesherrschaft
Im Dienste Gottes hat Unversöhnlichkeit keinen Platz.
a) Erfahre Gottes Liebe selbst. Epheser 3, 17 - 18
b) Vergib denen, die dich verletzt haben. Epheser 4, 32
c) Praktiziere Nächstenliebe. 1. Korinther 13, 4-7
Die Ausgangssituation der Ehe war Lug und Betrug.
Ein Partner ist in die Ehe durch Lügen und unehrliche
Machenschaften eingefangen worden.
Es folgt das langsame Erkennen der Unwahrheiten.
Das Bestehlen wurde fortgesetzt.
Zwischen Reden und Realität klafften Welten.
Es wurde geheuchelt.
2. Station: Ausbruch und Aufbruch
Rush (1994 : 68) hat vier Arten zwischenmenschlicher Beziehungen
aufgeführt: Kooperation, Vergeltung, Dominanz und Isolation.
Diese können auch in einer Ehe durchlaufen werden.
a) Eine Beziehung fängt meist kooperativ an und bleibt es,
solange sie allen Bedürfnissen beider Partner gerecht wird.
b) Ist das nicht der Fall, so geht die Beziehung in das Stadium der Vergeltung über.
Eine Person versucht dabei zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse Macht
über die andere zu bekommen.
c) Sobald eine Person den Machtkampf gewinnt, herrscht
ein neuer Beziehungsstil vor, die der Dominanz.
Der Dominierende gebraucht den anderen nur noch,
um seine Bedürfnisse zu befriedigen.
d) Die Isolationsphase entsteht, sobald die unterdrückte
Person erkennt, daß die Situation hoffnungslos ist und ihre
eigenen Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden.
Der kooperative Stil konzentriert sich als einziger auf den anderen Menschen.
Er hat das Wohl des anderen im Auge.
Die drei anderen Beziehungsarten konzentrieren sich auf das eigene Ego.
In der Ehe kann dies durch Streiten ausgetragen werden.
Im Isolationsstadium kann eisiges Schweigen herrschen.
Jetzt kommt die Frage: ein Partner will die Scheidung,
der andere gibt die Zustimmung.
Das Scheidungsurteil besiegelt die Auflösung der Ehe.
3. Station: Gefahr und Rettung
Der Richter hat entschieden.
Eine Ehehälfte hat das Haus zu verlassen.
Nun sitzt die eine Hälfte buchstäblich auf der Straße.
Die Arbeit gekündigt und das Haus verlassen,
so sind die Brücken zerschlagen. Nun beginnt die Heimreise.
Ein vorübergehender Unterschlupf findet sich bei der Familie.
Freiberuflich eröffnet sich ein Weg, Geld zu verdienen.
4. Station: Wüstenerfahrung
Eine leere Wohnung wird gefunden.
Der Weg der Freiheit ist eingeschlagen, des Sich-Verlassens.
Christlich zu leben und zu lieben ist das Ziel.
5. Station: Gottesherrschaft
"Was begehrst du, Herr, von mir?"
Hat Gott meine Aufmerksamkeit? Hat er mein Ohr?
Gehört Ihm mein Herz?
Gott möchte, daß wir ihn hören, ihn lieben und ihm gehorchen.
Gott redet noch heute zu uns, nämlich durch sein Wort,
die Bibel. "Dies ist mein Sohn ... auf ihn sollt ihr hören"
(Matthäus 17, 5).
"Alle, die auf mich hören und dem vertrauen, der mich.
gesandt hat, werden ewig leben ...." (Johannes 5, 24).
Das Theaterstück "Engel in Amerika"
Schwule Variationen über gesellschaftliche Themen von Tony Kushner
stellen den Seuchenherd bloß:
Aids als gnadenloser Prüfstein der Liebe, der Wahrhaftigkeit und der politischen Moral.
Thorgan Gigga (1995: 13) schreibt im Programmheft: "Angesichts des Todes
haben Lebenslügen keine Chance und angesichts einer tödlichen
Bedrohung zeigt bürgerliche Scheinliberalität ihr wahres Gesicht."
2. Station: Ausbruch und Aufbruch
Das Seziermesser ist angesetzt, die Wunde (Aids) liegt offen und ideologische Rezepte
versagen mehr und mehr. Aber Kushners Helden trotzen der nüchternen Bilanz.
Ihre Liebe, ihre Sehnsüchte, ihr ungebrochener Lebenswille rettet sie,
mal taumelnde Suche, mal Verweilen im lebensfrohen Moment.
Mario Wirz (1994: 18) beschreibt Eindrücke und Gefühle von Aids-Infizierten:
"Keine Stunde muß kentern.
Zuneigung und Freundschaft halten mich.
Ich bin nicht allein.
Alles ist offen, alles ist möglich.
Nicht länger bin ich ein Gefangener der Angst,
das Bewußtsein der Sterblichkeit ist ein Schlüssel,
der alle Gefängnisse öffnet.
Jetzt tanze ich aus der Reihe der Ängstlichen,
die sparsam vor sich hinleben und nichts riskieren ..."
"Erfindungen von Leben, Erfindungen von Liebe.
Kopfwelten und Herzlandschaften.
Imaginäre Dialoge und Berührungen, geträumte Leidenschaft.
In meiner Phantasie bin ich ein Liebender, der alles wagt.
Die gefährlichste Tiefe und den kühnsten Höhenflug.
In meinem Kopfkino bin ich einer, der aufwacht,
bereit, in der Umarmung des Todes das Leben zu lernen ..."
Im 3. Buch Mose steht:
"Ihr sollt euch nach meinen Ordnungen richten und
meinen Anweisungen gehorchen. Ich bin der Herr, euer Gott.
Wer sich nach meinen Geboten und Weisungen richtet,
bewahrt sein Leben. Ich bin der Herr!" (3. Mose 18, 4 - 5)
"Kein Mann darf mit einem anderen Mann geschlechtlich
verkehren; denn das verabscheue ich" (3. Mose 18, 22).
"Wenn ein Mann mit einem anderen Mann geschlechtlich
verkehrt, ist das ein abscheuliches, todeswürdiges Verbrechen;
beide müssen hingerichtet werden" (3. Mose 20, 13).
Homosexualität ist nach paulinischer Darstellung folgendes:
24 "Darum hat Gott sie ihren Leidenschaften preisgegeben,
so daß sie ihre eigenen Körper schänden.
25 Sie beteten an, was Gott geschaffen hat,
anstatt ihn selbst als Schöpfer zu ehren --
gepriesen sei er für immer und ewig! Amen.
Und weil sie dadurch die Wahrheit über Gott
gegen eine Lüge eintauschten,
26 lieferte er sie entehrenden Leidenschaften aus.
So kam es dahin, daß ihre Frauen den natürlichen
Geschlechtsverkehr mit dem widernatürlichen vertauschten,
27 und ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit
Frauen auf und entbrannten in Leidenschaft zueinander.
Männer entehren sich durch den Umgang mit Männern.
So werden sie an ihrem eigenen Körper
für die Verwirrung ihres Denkens bestraft"
(Römer 1, 24 - 27).
Paulus beschreibt, wie der Mensch gegen den eigenen Leib sündigen kann.
Der Leib ist etwas Heiliges, denn er gehört Gott.
"Jede Sünde, die ein Mensch tut, ist außerhalb des Leibes,
wer aber hurt, sündigt gegen den eigenen Leib" (1 Kor 6, 18).
Homosexuelle sündigen gegen ihren eigenen Leib.
Berger (1991: 89) führt aus:
a) "Sexualität betrifft den Leib im ganzen.
b) Alle anderen Vergehen betreffen nicht den Leib als eigenen
"Gegenstand"; höchstens etwa den Bauch (1 Kor 6, 13);
nur Sexualität betrifft direkt den Leib.
c) Der Leib ist bei Hurerei nicht Organ des Handelns, sondern Betroffener.
Er ist nicht Instrument, sondern Partner, Gegenüber.
Er muß mein Tun gewissermaßen ausbaden,
ist - wie heute die Umwelt - fast personhafter Partner in meinem Handeln.
Paulus hat das Ich so gespalten in einen handelnden
und einen betroffenen Teil."
Die Gefahren der Homosexualität sind vielfältig:
Aids,
Depressionen,
Alkoholprobleme,
Heimlichkeit,
Scham,
Selbstmord.
3. Station: Gefahr und Rettung
Durch die Krise der seelischen, sexuellen und sozialen Bindungen von Kushners
Helden schimmert die ursprüngliche amerikanische Idee:
Der Mut, Freiheit zu riskieren und eine "Neue Welt" zu wagen.
Homosexualität kann überwunden, abgelegt und besiegt werden.
Homosexualität ist erfolgreich therapiert worden in Amerika.
Comiskey (1989) veröffentlichte ein Buch "Unterwegs zur Ganzheitlichkeit,
in dem er Hilfen für Menschen mit homosexuellen Empfindungen darlegt.
Seiner Ansicht nach kann Homosexualität überwunden werden,
vorausgesetzt, es besteht die Bereitschaft, homosexuelle Neigungen überwinden zu wollen.
Jesus kann Menschen verändern. Lukas (19, 1-10) schildert die Begegnung von
Zachäus mit Jesus. Die Begegnung mit Jesus hat Konsequenzen für das Leben
von Zachäus, dem Zöllner.
Wo Jesus ist, kann man nicht mehr so weiterleben wie bisher; denn Unrecht verträgt
sich nicht mit der Nähe des heiligen Gottes.
Simon, der Magier war Christ geworden (Apg 8, 13),
aber er wollte sein altes Leben weiterführen (Apg 8, 18-19).
Charakterschwächen und schlechte Gewohnheiten müssen bekämpft
und überwunden werden. Der Mensch muß umkehren und böse
Absichten aufgeben (Apg 8, 22).
Jesus krempelt auch heute noch Menschen um, indem er ihr Denken und Handeln erneuert.
Homosexualität und Christsein ist unvereinbar.
4. Station: Wüstenerfahrung
Die Liebe leben lernen
Die höchste Aufgabe, der wir uns in dieser Welt widmen sollten, ist, die Liebe leben zu lernen.
Drummond (1988) behauptet, daß die Welt kein Spielplatz ist, sie ist ein Schulraum.
Das Leben ist kein Feiertag, sondern eine fortgesetzte Erziehung.
Die Bestandteile eines umfassenden christlichen Charakters können nur
durch unermüdliche Übung aufgebaut werden.
LERNEN --- ÜBEN --- WACHSEN
Ein Charakter wächst im Strom des Welterlebens.
Im Leben lernt man
geduldig zu werden,
großmütig und
selbstlos und
gütig und
freundlich.
Die Liebe höret nimmer auf! Gebt euch zuerst der Liebe hin.
Überschwenglich lieben heißt, überschwenglich zu leben,
und für immer zu lieben heißt, für immer zu leben.
Die Liebe verhält sich langmütig und gütig.
Die Liebe eifert nicht,
sie prahlt nicht,
sie bläst sich nicht auf,
sie verletzt nicht die Form,
sie sucht nicht den eigenen Vorteil.
Die Liebe läßt sich nicht aufreizen,
sie rechnet das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über Ungerechtigkeiten,
sie freut sich aber mit der Wahrheit.
Die Liebe trägt alles,
sie vertraut in allem,
sie hofft in allen Situationen,
sie hält in allem durch" (1 Korinther 13, 4 - 7).
Love
5. Station: Gottesherrschaft
Apokalypse - Der neue Himmel und die neue Erde
1 "Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde;
denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen,
auch das Meer ist nicht mehr.
2 Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem,
von Gott her aus dem Himmel herabkommen,
sie war bereit wie eine Braut,
die sich für ihren Mann geschmückt hat.
3 Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen:
Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen!
4 Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen:
Der Tod wird nicht mehr sein,
keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.
Nichts Unreines wird hineinkommen,
keiner, der Greuel verübt und lügt.
Denn was früher war, ist vergangen.
5 Er, der auf dem Thron saß, sprach:
Seht, ich mache alles neu!" (Offenbarung 21, 1 - 5)
Der Mensch ist verwundbar. Diese Verwundbarkeit macht den Menschen ängstlich.
Schnell richtet er eine Schutzmauer auf vor dem Nächsten, um sich vor möglichem Schaden,
den er durch einen anderen Menschen erleiden kann, wie Ausnutzung, Betrug, Ehebruch,
Verleumdung und Tötung zu schützen.
Der Mensch ist vergänglich.
Der Tod macht dem Menschen Angst.
Gegen den Tod versucht der Mensch sich zu schützen durch Lebensversicherungen,
Krankenversicherung, Altenpflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung.
Mit Versicherungen versucht der Mensch sein Leben gegen alle möglichen
Unsicherheiten zu schützen.
Die Bibel jedoch lehrt uns, wer Gott sein Leben anvertraut,
braucht keine Angst zu haben. Es heißt bei Lukas: "
Wer sein Leben retten will, wird es verlieren, und wer es verliert,
wird es retten" (Lukas 17, 33).
Das Verhalten, das aus der Angst um sich selbst entspringt, ist daran zu erkennen, daß
der Mensch nicht menschlich gegenüber seinem Nächsten handelt.
Was hindert den Menschen, menschlich zu sein?
Laut dem Hebräer Brief 2, 15 ist es die Todesfurcht, die den Menschen
sein ganzes Leben hindurch in die Knechtschaft zwingt.
Damit wir nicht mehr aus der Angst um uns selber leben müssen,
kam Jesus Christus in die Welt.
"Der Sohn Gottes hat am Menschenschicksal teilgenommen,
um durch seinen Tod diejenigen zu befreien,
die allesamt aus Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch
gezwungen waren zur Knechtschaft"(Heb 2, 15).
2. Station: Ausbruch und Aufbruch
Knauer (1995) stellt vier Thesen auf:
1. Anknüpfungspunkt für die christliche Botschaft ist die Grundfrage
für das menschliche Zusammenleben:
Was hindert Menschen daran, sich menschlich anstatt unmenschlich zu verhalten?
Als Wurzel aller Unmenschlichkeit erscheint die Angst des Menschen um sich selbst.
Weil man verwundbar und vergänglich ist, sucht man sich um jeden Preis zu sichern.
2. Der christliche Glaube versteht sich als Gemeinschaft mit Gott als dem "in
allem Mächtigen" und damit als Entmachtung der Angst des Menschen
um sich selbst. Glauben heißt, sich sagen lassen, daß wir von
Gott mit einer Liebe angenommen sind, die an nichts Geschaffenem ihr Maß hat,
sondern die die ewige Liebe des Vaters zum Sohn ist.
Dieser Glaube ist das Erfülltsein vom Heiligen Geist.
Nur aus der Gemeinschaft mit Gott gehen in Wahrheit gute Werke hervor; denn nicht
die guten Früchte machen den Baum gut, sondern nur ein guter Baum bringt gute Früchte.
3. Der christliche Glaube bringt keine zusätzlichen Verpflichtungen mit sich,
sondern befreit zur Erfüllung derjenigen Verpflichtungen, die sich in konkreten
Situationen aus dem Menschsein des Menschen ergeben.
Siehe die Geschichte vom barmherzigen Samariter. " Wer ist mein Nächster?"
fragte ein Gesetzeslehrer Jesu. 28 Jesus sagte zu ihm: ... "
Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen,
der von den Räubern überfallen wurde?"
Der Gesetzeslehrer antwortete: " Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat" (Lukas 10, 25 - 37).
4. Für die Erkenntnis der Normen des Handelns ist man auf Vernunft und damit auf
Erfahrung angewiesen. "In sich schlechtes" Handeln ist daran zu erkennen,
daß es die Struktur von "Raubbau" hat.
3. Station: Gefahr und Rettung
Das Buch Exodus zeigt Schritte, um diese Angst zu überwinden.
a) Das Schlimmste, was dem Menschen passieren kann ist,
daß er sich in die Knechtschaft resignierend ergeben hat.
Angst haben um sich selbst ist Knechtschaft.
b) Der zweite Schritt, der Ausbruch, kann dann getan werden,
wenn der Mensch erkennt wie sehr er aus Angst um sich
selbst handelt.
Im Exodus heißt es: "Der Herr wird für euch streiten"
(Exodus 14, 30). Du brauchst nur deinen Weg zu gehen.
Zink (1978: 68) schreibt: "Gott ist keineswegs der, der den bedingungslosen
Gehorsam der Menschen gegen die Obrigkeit will oder die grenzenlose Bereitschaft,
sich in Leiden und Unrecht zu fügen ... Gott will gerade die Befreiung.
Beruft euch auf Gott und faßt die Veränderung der Verhältnisse
und die Freiheit ins Auge."
c) Im dritten Schritt wird die Freude und der Dank zum Ausdruck gebracht,
über die erfahrene Rettung durch Gott.
"Gott allein hat die Macht, Roß und Wagen stürzt er ins Meer"
(Exodus 15, 1). Indem der Mensch seine Freiheit annimmt, wird er aus seiner Angst
um sich selbst herausgehoben.
d) Im vierten Schritt gelangt der Mensch zu der Frage wozu er
Menschen als seine Feinde ansehen soll. Wozu soll er sein
Leben als Kampf gegen Menschen auffassen? Wenn ein
Kampf nötig sein sollte, dann wird er Gottes Sache sein.
Glauben und gelassenes Gehen ist die Sache des Menschen.
e) Das Leben des Menschen folgt einem Entwicklungsplan.
Siehe die Beschreibung der Lebensalter in St. Annen zu
Annaberg von Zemmrich (1992).
Der Mensch durchschreitet von seiner Kindheit bis in sein
Alter Stufen der Selbsterkenntnis und der Welterfahrung.
Auch in geistiger Hinsicht und Gotteserkenntnis kann der
Mensch wachsen, der sich darum bemüht.
Nur darf der Mensch sich kein Gottesbild machen oder an
einem Gottesbild haften bleiben.
f) Im sechsten Schritt aus der Angst um sich selbst befreit
erkennt der Mensch sich als von Gott geschaffen,
geliebt und erhalten.
Als freier Mensch mit liebendem Herzen geh in aller
Gelassenheit deinen Lebensweg an der Hand deines Gottes.
4. Station: Wüstenerfahrung
Der Mensch ist ein offenes System, im Werden, in der Bewußtseinsumwandlung.
Mit einem Bild wird ein Zeitpunkt festgehalten.
Jedoch sich ein Bild von sich selbst oder von seinem Mitmenschen zu machen
ist counter-produktiv zum Vorgang des Werdens.
Ich bin nicht, was ich sein könnte,
Ich bin nicht, was ich sein sollte,
aber ich bin bestimmt nicht mehr die Person,
die ich einmal war.
Sölle (1962) schreibt: "Wer immer sich ein Bild vom anderen macht,
der leugnet das Fremde, Unerwartete, Nochnichterschienene im andern.
Das Bild besetzt die Stelle der Zukunft und beraubt so die Wirklichkeit ihrer wichtigsten Dimension.
Ich bin mehr als jedes Bild, das mein Verhalten vorausberechnet, meine Gefühle vorwegkennt,
das mich erfaßt und sich auskennt mit mir.
Ich bin ... meine Freiheit, die mir im Bild gestohlen wird, und auch im positiven,
freundlich gesonnenen Bild. Auch dieses engt mich ein, verfehlt mich ..."
5. Station: Gottesherrschaft
Der Mensch, der Gottes Wille erfüllt,
erfüllt sich selbst und sein Leben.
Laß ab von der Angst um dich selbst und bedenke,
"Er (Gott) hat aber seinen Geschöpfen die Hoffnung gegeben,
daß sie eines Tages vom Fluch der Vergänglichkeit erlöst werden.
Sie sollen dann nicht mehr Sklaven des Todes sein,
sondern am befreiten Leben der Kinder Gottes teilhaben"
(Römer 8, 20 - 21).
Bruder Mensch
Ich halte meine Hände zu dir hin
Bruder -- Schwester -- Mensch --
ich bin dir gut,
so wie du bist, hab’ ich dich gern.
Ich mag dich -- Bruder Mensch
seist du mir nah, seist du mir fern.
Bist du allein, verzweifelt oder ganz verloren,
von Anbeginn in Härten,
die Liebe suchend, nach der sich jeder Mensch
im tiefsten seines Wesens sehnt,
in Welten, wie es scheint, voll Haß und Lüge,
Wie wird dir das, was dir den Schmerz,
die Not, den Zweifel
gar sanft aus deinen Händen nimmt?
Bist Gottes Kind!
Du hast es einmal wohl gewußt,
nur lange Jahre sind vorbei,
das Herz zerquält,
die Zeit verfehlt
und doch dafür bestellt.
Und sieh’,
ich halte meine Hände hin,
nimm doch das Wort,
so, wie das Brot.
Du Mensch, so wie du bist
in aller Not, ob nah, ob fern,
ob neben mir, ich sage dir,
ich hab’ dich gern.
Berger, Klaus. Historische Psychologie des Neuen Testaments. Verlag Katholisches
Bibelwerk GmbH, Stuttgart, 1991, (Stuttgarter Bibelstudien 146/147),
ISBN 3-460-04461-6.
The Holy Bible. Revised Standard Version. Zondervan Bible Publishers,
Grand Rapids, Michigan, U.S.A., 1971.
Bittlinger, Arnold. Heimweh nach der Ewigkeit. Kösel-Verlag GmbH & Co., München,
1993, ISBN 3-466-36381-0.
Bucke, Richard Maurice. Kosmisches Bewußtsein.
Zur Evolution des menschlichen Geistes. insel taschenbuch 1498,
Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1993, ISBN 3-458-33198-0.
Bunyan, John. Pilgerreise zur seligen Ewigkeit. Verlag der St.-Johannis-Druckerei,
Lahr, 1993, ISBN 3-501-00309-9.
Collins, Gary R. Die biblischen Grundlagen für beratende Seelsorge.
Originaltitel: The Biblical Basis of Christian Counseling for People Helpers.
Deutsch von Leslie Richford. Verlag der Francke - Buchhandlung GmbH,
35037 Marburg an der Lahn, 1995, ISBN 3-86122-186-1.
Comiskey, Andrew. Unterwegs zur Ganzheitlichkeit. Hilfen für Menschen mit
homosexuellen Empfindungen, Seelsorger und Berater. Projektion J Verlag
GmbH, Wiesbaden, 1989, ISBN 3-925352-88-0.
Drummond, Henry. Das Größte in der Welt. Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg,
1988, ARH-Taschenbuch 61, ISBN 3-7600-0464-4.
Gigga, Thorgan. Programmheft zu Engel in Amerika von Tony Kushner,
Deutsch von Frank Heibert, Köln, 1995.
Glaser, Theodor. Vom Himmel auf Erden. Fromme Bilder für das Leben.
Rosenheimer Raritäten im Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg GmbH &
Co. KG, Rosenheim, 1987, ISBN 3-475-52-520-8.
Grundkurs Bibel - Altes Testament. Workbuch für die Bibelarbeit mit Erwachsenen. Exodus,
Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart, ISBN 3-460-32612-3.
Henseling, Reinhart (Hrsg.). Persönliches Bibellesen. Gott begegnen - Kraft
gewinnen. Bibellesebund e. V., Industriestraße 2, 51709 Marienheide,
1993, ISBN 3-87982-172-0.
Knauer, Peter. Unseren Glauben verstehen. Echter Verlag, Würzburg, 1995,
ISBN 3-429-00987-1.
Kushner, Tony. Engel in Amerika. Schwule Variationen über gesellschaftliche
Themen. 1995, Das Programmheft enthält Beiträge von Thorgan Gigga
(Seite 13) und Mario Wirz (Seite 18 - 19).
Neue Jerusalemer Bibel. Einheitsübersetzung, Herder Verlag, Freiburg, 1995,
ISBN 3-451-20002-3.
Painadath, Sebastian. Das Wort, die Stille oder: den Mystiker wachrufen,
den Propheten beleben. Christ in der Gegenwart. 1994.
Painadath, Sebastian. Das Sonnengebet. Eine leibbezogene Form des
Morgengebets aus Indien. Missio München 1995,
Missio, Internationales Katholisches Missionswerk, Pettenkoferstraße 26,
80336 München.
Rush, Myron. Management - der biblische Weg. Verlag Klaus Gerth,
Asslar, 1994, ISBN 3-89437-328-8.
Seamands, David. So kann man leben! Gottes Gebote für unsere Zeit.
Originaltitel: God’s Blueprint for Living.
Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH, 1991, Marburg an der Lahn,
ISBN 3-88224-913-7.
Sölle, Dorothea. in: Die Zehn Gebote. Fragen zu unserer Zeit. hrsg. v. G. Bauer
u. a. Kreuz Verlag, Stuttgart, 1962, Seite 21 - 27.
Wirz, Mario. "Menschen, Augenblicke, Erinnerungen oder High-Matt-Gefühle."
in Ein Ort, überall, Magnus - Medien Verlag, Berlin, 1994.
Zemmrich, Christian. Die Lebensalter in St. Annen zu Annaberg. Herausgeber:
Evangelisch-Lutherisches Pfarramt St. Annen, Annaberg, 1992, Germany.
Zink, Jörg. Licht über den Wassern. Geschichten gegen die Angst.
Kreuz Verlag, Stuttgart, 1978, Seite 60f.